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Project Cars 2 Review

Mit Project Cars veröffentlichten die Slightly Mad Studios eines der ambitioniertesten Rennspielprojekte der letzten Jahre. Leider war das Rennspiel jedoch nicht frei von Fehlern und zeigte an einigen Ecken und Kanten Problemstellen auf, die eine Fahrt auf die Pole Position verhinderten. Nun wagen die Entwickler mit Project Cars 2 (kurz: PC2) einen erneuten Anlauf und wollen die Fehler des Vorgängers ausbessern und ein rundum gelungenes Gesamtpaket für Simulationsfans abliefern. Wir haben unseren Helm aufgesetzt und das Gaspedal durchgetreten und verraten euch, ob das Rennspiel seinen Ambitionen diesmal gerecht werden kann.

Mach Karriere so wie du es willst!

Project Cars 2 präsentiert sich als reinrassige Rennsimulation und setzt sich da direkt auf den ersten Metern von Genrekollegen wie Forza Motorsport 7 oder Gran Turismo Sport ab, die nichtsdestotrotz noch einen Spagat zwischen Arcade-Racing und Simulation versuchen. So fällt in Project Cars 2 auch die Karriere in Sachen Präsentation deutlich puristischer aus. Hier genießt ihr zahlreiche Freiheiten, um euch in den unterschiedlichsten Rennklassen auszutoben und die PS-Monster auf den Rundkursen zu zähmen. Eine Story erwartet euch in Project Cars 2 nicht. Es geht schlicht und ergreifend um die Rennen und den Erfolg hinterm Lenkrad. Bevor es losgeht gebt ihr kurz euren Namen und Herkunft an und schon kann der Spaß losgehen.

Insgesamt bietet Project Cars 2 ganze 29 Rennklassen. 19 davon sind direkt von Beginn anwählbar, der Rest muss durch Erfolge in den „unteren Rennklassen“ freigespielt werden. Euch steht es somit frei, ob ihr im Kart eure ersten Lorbeeren verdienen wollt, direkt in den Formel-Sport einsteigt oder an Tourenwagenevents teilnehmen möchtet. Die Freiheit ist ein klarer Pluspunkt, da euch das Rennspiel keine ungeliebten Rennevents vorsetzt, an denen ihr nicht teilnehmen wollt. Der Aufbau der einzelnen Rennserien und Events ist dabei auf das Wesentliche beschränkt. An sich ist diese Ausrichtung auf das reine Racing nicht verwerflich, etwas mehr Pepp bei der Präsentation der Karriere wäre dennoch schön gewesen. So spulen wir ein Rennevent nach dem nächsten ab, um unsere Trophäensammlung zu vervollständigen, was auf Dauer etwas eintönig wirkt.

Project Cars 2
Los geht es! Die Boliden machen sich fertig zum Fliegenden Start.

Project Cars 2: Pures Racing

Das Project Cars 2 nicht unbedingt viel Schnickschnack in der Karriere nötig hat, wird beim ersten Mal klar, wenn ihr auf eine Rennstrecke herausrollt. Project CARS 2 ist im Konsolenbereich wohl die realistischste Rennerfahrung überhaupt. Die Boliden fühlen sich sehr unterschiedlich und realitätsnah an. Besonders mit einem gescheiten Lenkrad mitsamt Pedalen macht Project Cars 2 unglaublich viel Spaß und spielt sich besser als mit dem Controller. Gerade mit dem Gamepad haben wir hin und wieder die Dosierung von Gas- und Bremse falsch eingeschätzt und so wichtige Zehntelsekunden verloren. Mit einem Lenkrad bekommt ihr einfach viel mehr Feedback vom Auto und der Rennstrecke, um sich so auf die jeweilige Situation einstellen zu können.

Die große Stärke von PC2 liegt in der riesigen Auswahl an Einstellungsoptionen. Angefangen beim Wetter, über die Tageszeit bis hin zu Einstellungen bezüglich der Schwierigkeit und dem K.I.-Verhalten lassen sich unzählige Parameter einstellen, um eure Rennen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.


Project Cars 2 Launch Trailer:

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Gerade mit angeschalteten Simulationseinstellungen und aktivierten Schäden können kleinere Unachtsamkeiten und optimistische Bremsmanöver in schwerwiegenden Fahrfehlern enden, die euer Rennen zerstören. Eine Rückspulfunktion wie beispielsweise aus F1 2017 oder DIRT4 bekannt, gibt es in Project Cars 2 nicht, sodass Fahrfehler konsequent bestraft werden. Etwas ärgerlich fällt auf, dass die K.I. häufig sehr aggressiv in Zweikämpfe geht und letztlich der Spieler die Schäden am Auto davonträgt, während die K.I. unbeirrt ihre Fahrt fortsetzt. Dies gilt aber auch für einige Wetterextreme. Schüttet es wie aus Eimern, hat man häufig mit Aquaplaning zu kämpfen und rutscht um die Rundkurse, während die computergesteuerten Fahrzeuge recht unbeeindruckt ihre Kreise drehen. Interessant ist aber wiederum das ihr die KI-Stärke und Aggressivität stufenlos regeln könnt.

PC2 fordert vollste Konzentration von euch, auch wenn das Spiel dank Fahrhilfen und einstellbaren Schwierigkeitsparametern deutlich einsteigerfreundlicher ausfällt als der Vorgänger. Für Profis gibt es im Umkehrschluss aber auch sehr herausfordernde Rennen und intensive Duelle mit der K.I., die ein intensives Wettkampfgefühl aufkommen lassen.

Verfolgungsjagd: Jetzt nicht den Windschatten verlieren.

Wetterextreme und Abseits der Karriere

Neben dem Karrieremodus, der euch einige Stunden bei Laune halten wird, warten zahlreiche alternative Beschäftigungsmöglichkeiten in Project CARS 2. Für Solisten gibt es das Zeitfahren und Einzelrennen. Letztere können komplett individualisiert werden. So könnt ihr sogar die Tageszeit und detaillierte Wetterbedingungen einstellen. Neben Starkregen gibt es sogar Schnee und Nebel, die für neue Herausforderungen sorgen.

Die Wetterbedingungen wirken sich in Project Cars 2 sehr auf das Fahrverhalten der Boliden bemerkbar. Besonders der Schnee und der Regen wurden dabei gut umgesetzt und können zu unfreiwilligen Abflügen sorgen. Auch die Reifentemperaturen werden von den äußeren Einflüssen beeinflusst, sodass ihr bei kühleren Temperaturen einige Kurven benötigt, um ein gutes Griplevel aufzubauen. Auch optisch sind die Wetterextreme toll umgesetzt. Der Regen peitscht euch entgegen und das Sichtlevel ist vor allem in den Cockpitansichten stark eingeschränkt, wodurch ein beeindruckendes Gefühl entsteht.

Eindrucksvoll sind auch die vielen Rennvarianten, Strecken und Boliden. Angefangen bei Sprintrennen bis hin zu kompletten 24h-Rennen könnt ihr mit über 170 Fahrzeugen an den Start rollen. Die Auswahl wurde diesmal nochmals erweitert und beinhaltet nun auch Edelkarossen aus dem Hause Ferrari. Auch im Bereich der Rennstrecken gibt es einiges zu sehen mit rund 60 Pisten rund um den Globus haben es 130 Variationen in das Spiel geschafft. Mit dabei sind Fan-Lieblinge wie die Nordschleife, Hockenheim, Silverstone oder auch das Motodrom in Dubai. Darüber hinaus lauern neben Rundkursen auch Rallye- und Etappenpisten . Sogar auf einem zugefrorenen Eissee könnt ihr euer Können am Volant unter Beweis stellen – für Abwechslung ist also gesorgt.

Netter Helfer am Streckenrand: Der Ingenieur

Eine wirklich coole Neuerung im Spiel stellt der Renningenieur dar. Seid ihr mit dem Fahrverhalten eures jeweiligen Autos nicht zufrieden, könnt ihr dies bei eurem Ingenieur an der Box bekunden. Dieser stellt euch dann einige Fragen, die das Setup des Autos beeinflussen so kann dadurch das Fahr- und Bremsverhalten beeinflusst werden, ohne dass ihr euch in den Setup-Einstellungen durch die zahlreichen Einstellungsoptionen klickt. Profis können sich da bei der Feinabstimmung natürlich dennoch austoben.

Wir empfinden diese Neuerung als eine sehr tolle Idee, die gern so auch in viele andere Rennspiele Einzug halten kann, um die jeweiligen Boliden in Windeseile auf die Vorlieben in Sachen Fahrverhalten abzustimmen.

Die Fahrzeugmodelle sind schön anzusehen.

Onlinerennen und die Technik

Wer die Nase voll von den Rennen gegen die Uhr und die K.I. hat, der kann sich im umfangreichen Onlinepart austoben. Hier stehen euch auch zig Einstellungsmöglichkeiten für eigenen Rennen und Turniere zur Auswahl. Sogar ein Fairnessfaktor kann hier zum Einsatz kommen, um unfaire Rempler und Crash-Piloten zu bestrafen.

Die von uns angespielten Online-Partien verliefen zum Großteil sehr sauber und flüssig, sodass auch ernsthafte Duelle gegen menschliche Mitspieler möglich sind. An einer Konsole könnt ihr euch im Splitscreen leider nicht mit Freunden messen.

Neu in Project Cars 2: Schnee als Untergrund.

Technisch und in Sachen Präsentation gibt es leider nicht nur positives zu vermelden. Ja das Spiel läuft flüssig bei 60 Bildern pro Sekunde, dafür wirken die Rennstrecken ziemlich steril und können kaum beeindrucken. Besonders ärgerlich sind auffallende Pop-Ups und matschige Texturen, die das optische Gesamtbild negativ beeinflussen. Demgegenüber steht ein sehr gutes Geschwindigkeitsgefühl und schicke Automodelle, die auch mit schönen Spiegeleffekten punkten. Auch die Wettereffekte sind gut umgesetzt, auch wenn die Regenrennen nicht so imposant erscheinen wie in F1 2017.

Auch die Präsentation im allgemeinen verzichtet auf schmückendes Beiwerk. Siegerehrungen oder ähnliches sucht ihr selbst nach dem Gewinn einer Meisterschaft vergebens, hier fühlen sich die Texteinblendungen wenig befriedigend an. Hier ist eindeutig noch Potenzial nach oben zu verzeichnen. Auch die Textgröße im gesamten Spiel empfinde ich persönlich als zu klein. Ohne Brille konnte ich sowohl in den Menüs als auch in den Rennen viele Einblendungen nicht lesen.


Fazit:

AwardAngeschnallt und losgelegt: Project Cars 2 bietet euch puristisches Rennfeeling mit intensiven Momenten auf den Rennpisten. Die Fahrphysik ist top und auch die Abwechslung kommt dank 29 Rennserien, über 170 Fahrzeugen und 60 Rennstrecken nicht zu kurz. Vor allem bei der Fahrphysik und der Zugänglichkeit haben die Slightly Mad Studios mit Project Cars 2 nochmal einen Sprung nach vorn gemacht. Project Cars 2 überflügelt seinen Vorgänger in quasi jedem Bereich, lässt aber auch Potenzial liegen. Ernüchternd fällt beiuspielsweise das Fazit zum auf Dauer sehr eintönigen Karrieremodus und der mittelmäßigen grafischen Präsentation aus. Für alle unter euch, die eine ernstzunehmende Simulation mit viel Abwechslung und Herausforderung suchen ist Project Cars 2 ein Muss. Rennspielliebhaber kommen an dem Titel diesmal wohl kaum vorbei, auch wenn Project Cars 2 in Sachen Präsentation nicht ganz mit der Konkurrenz in Form von Forza Motorsport 7 herankommt. Project Cars 2 ist aktuell definitiv eines der besten Rennspiele für PlayStation 4 und Xbox One mit einem unglaublich authentischen Renngefühl.


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