Image default
PS4 Switch Tests Xbox One

Nine Parchments Review

Mit der gefeierten Trine-Serie haben sich die finnischen Entwickler von Frozenbyte bereits in der Vergangenheit einen Namen gemacht. Mit ihrem neuen Spiel Nine Parchments wollen sie nun in ähnlich hohe Spielspaß-Gefilde vordringen, doch dem Action-Rollenspiel rund um junge Zauberschüler fehlt es an Magie.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Nine Parchments – Zwischen Trine und Magicka 

Spielerisch wandelt Nine Parchments auf den Pfaden zwischen der Trine-Reihe und den ebenfalls hochgelobten Magicka-Spielen. Nur eben ohne auch nur ansatzweise die Qualität eines der genannten Spiele zu erreichen. Ihr schlüpft also in die Haut eines Zauberschülers und müsst die aus der Zauberschule gewehten neun Schriftrollen zurückbringen. Warum? Ist halt so. Damit wäre die lahme Hintergrundgeschichte, die immerhin in netten Dialogen erzählt wird, auch schon erzählt. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Also schlüpft ihr in die Haut eines Schülers, von denen zu Beginn des Spiels gerade einmal zwei zur Verfügung stehen, und begebt euch auf die Suche nach den Schriftrollen. Diese sind natürlich – wer hätte es gedacht – bei mächtigen Bossmonstern gelandet, welche es fortan zu besiegen gilt. Gelingt euch dies, dürft ihr euch die mächtigen Zauber höchstselbst aneignen. Das sollte doch Motivation genug sein oder? Das reicht euch noch nicht? Dann könnt ihr im Verlauf des Spiels unzählige neue Charaktere, Hüte oder Zauberstäbe freischalten. Letztere dienen euch als Nahkampfwaffen und warten rollenspieltypisch mit Zusatzeffekten auf – so erhöhen diese beispielsweise eure Lebensenergie, verringern die Manakosten oder verleihen euren Zaubern mehr Wumms. Es gibt also eine Menge freizuschalten. Blöd nur, wenn das Spiel nicht so motivieren kann, dass man die Sachen überhaupt freischalten möchte.

Nine Parchments
Auf den ersten Blick sieht Nine Parchments in sich stimmig aus.

Chaos, Action und noch mehr Chaos

Kommen wir zu den spielerischen Aspekten. Wenn ihr schon einmal Magicka gespielt habt, wisst ihr, wie der Hase läuft. Nur dass Nine Parchments ungefähr so viel Zauber versprüht, wie der 0815-Magier vom letzten Kindergeburtstag. Ok, ok. Ganz so schlimm ist es nicht. Vielleicht bin ich auch nur zu alt für diesen Sch…

Aber Nine Parchments hat vor allem zwei große Probleme. Zunächst einmal fällt das isometrische Action-Rollenspiel bereits auf dem normalen der vier Schwierigkeitsgrade ziemlich knackig aus. Bereits nach zwei Treffern der Standard-Gegner segnet ihr das Zeitliche.

Das deutlich größere Problem ist allerdings das unglaubliche Chaos auf dem Bildschirm. Nicht selten stürmt euch ein halbes Dutzend Gegner entgegen, die euch allesamt mit unterschiedlichen Elementarzaubern ans Leder wollen. Wenn dann Feuerball, Eiszapfen, Blitzstrahlen und Todeszauber gleichzeitig den Bildschirm mit einem Effektgewitter füllen und ihr dem ganzen Zeug auch noch ausweichen und gleichzeitig zurückschießen müsst, ist das Chaos perfekt. Nicht selten bin ich während meinem Test einen Bildschirmtod gestorben, weil ich einfach nicht mehr wusste, wo Oben und wo Unten ist. 

Nine Parchments
In den Kämpfen mit mehreren Gegnern ist dann aber Chaos vorprogrammiert.

Wer es gerne noch chaotischer mag, darf mit bis zu vier Spielern kooperativ ins Gefecht ziehen und das sogar an einer Konsole. Das macht zwar deutlich mehr Spaß (immerhin dürft ihr dank Friendly-Fire euren Freunden den Popo wegbrutzeln), aber noch mehr Effekte auf dem Bildschirm sorgen nicht unbedingt für eine bessere Übersicht. Zumal der Offline-Koop-Modus in unserer Testversion noch mit einigen Problemchen zu kämpfen hatten. Nicht selten verließ unser Spielpartner unvermittelt das Spiel, was durch einen Druck auf das Touchpad des PlayStation-4-Controllers möglich sein sollte, aber gerne auch mal von ganz alleine ausgelöst wurde. 


Eigentlich ziemlich cool

All diese Probleme sorgen für eine Menge Frust. Das ist besonders schade, denn eigentlich ist Nine Parchments ziemlich interessant. Im Kampf dürft ihr bis zu vier Zaubersprüche gleichzeitig auswählen, zwischen denen ihr jederzeit wechseln dürft. Der Clou: Jeder Zauber verfügt über einen unabhängigen Mana-Balken. Ist die blaue Essenz also beispielsweise für euren Feuerball aufgebraucht, könnt ihr noch immer auf die anderen Zauber zurückgreifen, bis sich eure Energie wieder aufgeladen ist.

Hinzu kommt, dass alle Gegner mit ihren speziellen Stärken und Schwächen aufwarten. Feuergegner sind beispielsweise immun gegen ihr Element und anfällig gegen Eiszauber, was den Kämpfen ein besonderes taktisches Element gewährt. Zumal eure Zauber mit speziellen Zusatzeffekten aufwarten. Eis friert die Gegner ein und macht sie bewegungsunfähig, Feuer verursacht zusätzlichen Schaden über Zeit. Das ist eine gelungene Idee, die durchaus gefällt. Schade nur, dass es sehr wenige Gegnertypen gibt und diese sich ständig wiederholen.

Nine Parchments
Schade. Das Kampfsystem kommt eigentlich enorm taktisch daher.

Für besiegte Feinde steigt ihr zudem im Level auf und dürft die gewonnen Fähigkeitspunkte in einem extrem unübersichtlichen Menü in neue Talente investieren. Auch das kennt man aus jedem Rollenspiel, doch das Experimentieren mit den besonderen Talenten hat durchaus seinen Reiz.


Schön und problematisch

Grundsätzlich ist Nine Parchments aus technischer Sicht ein stimmiges Abenteuer. Der kunterbunte Zeichentrick-Look passt sehr gut zum Spiel und auch die Effekte der verschiedenen Zauber sehen sehr gut aus. Auch an der Vertonung gibt es nur wenig zu mecken. Die ausschließlich englischen Sprecher liefern einen guten Job ab und auch die Musik geht in Ordnung.

Doch damit wären wir wieder bei den Problemen. Auch wenn das Spielgeschehen größtenteils flüssig läuft, kommt es nicht selten zu kurzen Rucklern und Slowdowns, welche im Eifer des Gefechts nicht selten den Bildschirmtod zur Folge haben. Außerdem empfiehlt sich das Spiel lediglich im Koop-Modus, da der Schwierigkeitsgrad skaliert. Alleine werdet ihr zumindest bei den Bossen Dutzende Tode sterben, was schnell zu Frust führt.

Nine Parchments
Die Bosskämpfe sind alleine kaum zu schaffen.

Auch das Zielsystem erscheint nicht ausgereift. Während ihr mit Feuerbällen und Co eure Gegner problemlos treffen könnt, ist das Zielen mit dem Eisstrahl eine Qual. Dieser geht nicht selten ins Leere oder bevorzugt es, eure Freunde einzufrieren. Damit konstant die Gegner zu treffen ist schlichtweg unmöglich, zumal es keinerlei Zielerfassung oder ähnliches gibt. Außerdem fallen die einzelnen Spielabschnitte wahnsinnig kurz aus und sind in wenigen Minuten abgehakt. Schade. 


Fazit:

Schade, schade. Eigentlich ist die Idee hinter Nine Parchments ziemlich gut. Doch das Spiel scheitert an seiner Umsetzung, die jeglichen Spielspaß zunichte macht. Klar: Es sieht gut aus und auch die Musik gefällt. Außerdem gibt es unzählige Charaktere, Hüte und Zauberstäbe zum Freispielen, was für mehrere Spieldurchgänge sorgen soll. Aber warum sollte ich das tun, wenn das Spiel einfach keinen Spaß machen will?

Selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist das Abenteuer mitunter frustrierend schwer. Wenn das Spiel euch gleich mehrere Gegner auf den Hals hetzt, ist das Chaos vorprogrammiert. Von allen Seiten prasseln irgendwelche Zauber auf euch ein, sodass der Überblick verloren geht. Wo bin ich denn eigentlich? Ach da… schon wieder tot. Das nervt extrem. In Kombination mit dem seltsamen Zielsystem und den Problemen im lokalen Koop-Modus wollte sich bei mir einfach kein Spielspaß einstellen. Hartgesottene Zocker, die Lust auf einen Koop-Multiplayer haben, dürfen gerne einen Blick riskieren, doch gerade auf der PlayStation 4 gibt es weitaus bessere Alternativen. Auf der Nintendo Switch sieht das Ganze schon anders aus.


 

verwandte Beiträge

Testbericht: Pokémon X & Y

Nature225

Neues South-Park-Rollenspiel: Ubisoft kündigt The Fractured But Whole an

So reagieren Kinder auf Nintendo Labo

Lars Schulze