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3DS Reviews

Dr. Kawashimas diabolisches Gehirnjogging Review

Es spricht doch für ein Lernspiel, wenn man dadurch tatsächlich etwas lernt, oder? In diesem Fall habe ich während meiner Recherche für diesen Text erfahren, dass es den  Kopf hinter Dr. Kawashimas diabolisches Gehirnjogging – Neurowissenschaftler Prof. Dr. Ryūta Kawashima – tatsächlich gibt. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass es lediglich ein digitales Alter-Ego von Satoru Iwata ist. Tja, manchmal ist man dann halt doch etwas ignorant. Allerdings ging das wohl nicht nur mir so:

Iwata: […] Ich denke, die Software hat bei der weltweiten Einführung Ihrer Forschungsarbeit eine Rolle gespielt, Dr. Kawashima.

Kawashima: Natürlich. Ich denke, ich bin recht bekannt geworden. Die Leute wussten, wer ich war. So besuchte mich zum Beispiel ein Universitätsprofessor aus Deutschland, der den ganzen langen Weg auf sich genommen hatte. Als ich ihn nach seinen Beweggründen fragte, sagte er mir, er und sein Sohn spielten Gehirn-Jogging. Offenbar hatte man in seiner Familie darüber diskutiert, ob es sich bei „Dr. Kawashima“ um eine reale Person handelte! (lacht)

Iwata: Oh! (lacht)

Kawashima: In der Tat gab es an seiner Arbeitsstelle und in der Schule seines Sohnes eine heftige Diskussion darüber. Manche Leute sagten, Dr. Kawashima gäbe es tatsächlich, während sich andere ganz sicher waren, dass es sich bei diesem Namen nur um eine virtuelle Person handelte. Der Professor erklärte mir, er sei hocherfreut, mich in Fleisch und Blut anzutreffen.

Iwata: Das hört sich so an, als hätte auch er seine Zweifel gehabt, dass es sich bei Ihnen womöglich um eine fiktive Person handelte! (lacht)

Kawashima: Ja! Ich sagte ihm, wenn es sich bei Dr. Kawashima um eine fiktive Person handelte, hätte man diese wohl etwas cooler gestaltet! Dass er das genauso zu sehen schien, pikierte mich doch ein wenig! (lacht)


Ein bisschen Geschichtsunterricht

Darüber hinaus haben die Spiele inzwischen durchaus eine interessante Historie. Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging erschien in Japan bereits 2005 und wurde 2006 dann auch in Europa sowie Nordamerika veröffentlicht. Der zweite Teil folgte zwei Jahre später 2007. Außer einer 2009 erfolgten Wiederveröffentlichung auf DSiWare hat man von der Reihe hier in Europa inzwischen seit zehn Jahren nicht mehr viel gehört.

Dabei wird der erste Gehirnjogging-Teil durchaus als einer der einflussreichsten Titel seiner Generation angesehen, da er einerseits zeigte, dass Videospiele durchaus auch lehrreich sein können, und andererseits auch viele Nicht-Gamer dazu gebracht hat, dem DS eine Chance zu geben. Dr. Kawashima war zudem nicht nur Hirntraining, sondern hat eben gerade den „Casuals“ die Touch-Steuerung beigebracht und dürfte damit auch dem späteren Erfolg der Smartphone-Spiele den Weg geebnet haben.

Interessanterweise waren sich sowohl Dr. Kawashima wie auch Nintendo anfangs sehr unsicher, wie sich das aus ihrer Sicht eher japanische Spiel auf dem internationalen Markt schlagen würde – über 19 Millionen verkaufte Einheiten sprechen jedoch für sich:

Kawashima: (lacht) Um ehrlich zu sein… hatte ich so meine Zweifel, ob sich Gehirn-Jogging im Ausland verkaufen lassen würde. Meinem Gefühl nach passten solche Dinge, wie fleißig nacheinander Zahlenrätsel abzuhaken eher zum japanischen Temperament.

[…] Nun manche Leute waren dabei der Ansicht, diese Dinge seien Teil von „The Way of the Samurai“ und würden im Ausland kein breites Publikum finden. Daher fand ich es mehr als fraglich, wie Gehirn-Jogging in der restlichen Welt aufgenommen werden würde.

Iwata: Nun, am Ende entwickelte es sich zu einem gesellschaftlichen Phänomen, und die Verkaufszahlen in Europa überstiegen sogar noch die japanischen Verkäufe.


Dr. Kawashima nervt!

Tja, jetzt ist Dr. Kawashimas diabolisches Gehirnjogging eine halbe Dekade und eine ganze Handheld-Generation später nun doch endlich bei uns erschienen. Und ich muss Dr. Kawashimas diabolisches Gehirnjoggingsagen, dass der werte Doktor auch gleich mein größtes Problem an dem Spiel ist. Vielleicht bin ich zu ungeduldig, aber wie gern der sich selbst labern hört und einen in seiner herablassenden Art davon abhält, seine grauen Zellen tatsächlich mal zu trainieren, ist richtig nervig. Die Hälfte des Gebrabbels und dafür mehr echtes Gameplay in Form von Übungen hätte es aus meiner Sicht auch getan.

Zudem stellt sich die Frage, wie relevant ein solches Spiel nach so vielen Jahren überhaupt noch ist. Lern-, Wissens- und Geschicklichkeitsspiele sind auf dem Smartphone-Markt allgegenwärtig. Und sie sind vor allen Dingen in ihrem Spieltempo wesentlich schneller. Ich beurteile 3DS-Spiele immer noch auch nach ihrer Bustauglichkeit. Und die hat das Spiel aus meiner Sicht teilweise dann leider verfehlt. Durch die ausufernden Monolog Dr. Kawashimas, die selbst Hamlet einschläfern würden, sieht man zwischen Einstiegs- und Ausstiegshaltestelle oft nur wenig vom eigentlichen Spiel.


Dr. Kawashimas diabolisches Gehirnjogging: Mühseliges Konzentrationstraining

Der Untertitel „Können Sie konzentriert bleiben?“ verweist darauf, dass in diesem Ableger der Kawashima-Reihe insbesondere um das Training der Konzentration des Arbeitsgedächtnis geht. Man soll sich Zahlen merken, Wörter werken, Rechenergebnisse merken, um sein Kurzzeitgedächtnis zu verbessern. Die einzelnen Übungen, die sich im Schwierigkeitsgrad an den eigenen Erfolg anpassen, fand ich teilweise sogar richtig gut. Aber ich konnte mich nicht dazu durchringen, jeden Tag hineinzuschauen, um mir Stempel zu verdienen. Insbesondere auch weil ich Dr. Kawashima selbst eher nervig als motivierend fand.

Ganz ehrlich: Ich multitaske lieber. Ich lerne gerne und ständig. Aber ich spüle lieber Geschirr oder mache Wäsche und höre dabei Podcasts über Dinge, die man im Geschichtsunterricht möglicherweise verpasst hat. Oder lese ein gutes Sachbuch. Vielleicht bestätige ich damit sogar Dr. Kawashimas These von der Informationssucht? „Können Sie konzentriert bleiben?“ Durchaus, aber offenbar nicht bei fünf Jahre alten DS-Spielen.

Die Präsentation von Dr. Kawashimas diabolisches Gehirnjogging ist zweckdienlich, die teils schlechte Handschrifterkennung war wohl schon immer ein Problem der Reihe und 30 Euro sind für ein mittlerweile doch bereits fünf Jahre altes Spiel aus meiner Sicht etwas zu viel verlangt. Wer die alten Kawashima-Teile mochte, der kann vielleicht mal die Demo ausprobieren. Für alle anderen gibt es inzwischen durchaus interessantere Apps.

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