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Destiny 2 Review

Drei Jahre ist es nun her, dass sich Entwickler Bungie von Microsoft losgesagt hat und mit dem ersten Destiny einen einzigartigen Massively Multiplayer Online First-Person Shooter (MMOFPS) an den Start brachte. Ungeachtet der zwiegespalteten Kritiken des Erstlings hat der Hype um Destiny 2 das Internet seit Wochen fest im Griff. Unser Review zeigt, ob es den Entwicklern gelungen ist, den Vorgänger zu übertreffen oder ob Destiny 2 vielleicht nur ein Vollpreis-Add-On geworden ist.

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Destiny 2 – Hat sich das Warten gelohnt?

Kaum ein anderes Spiel der letzten Jahre spaltete die Spielerschaft so stark, wie es das erste Destiny getan hat. Auf der einen Seite gibt es die Fans, die mittlerweile bereits Tausende Spielstunden in den Shooter investiert haben. Diejenigen, die jeden Strike und Raid Hunderte Male absolviert, mit ihren Freunden getanzt oder einfach nur die Welt erkundet haben.

Und gerade als der Spielspaß wieder einmal verflogen zu sein schien, legte Bungie einem hervorragenden DLC nach und konnte die Fans ein ums andere Mal erneut an das Gamepad fesseln.

Auf der anderen Seite (und hier komme auch ich ins Spiel) stehen dem die Spieler gegenüber, die vom ersten Destiny maßlos enttäuscht waren. Gerade das repetitive Missionsdesign und die zum Erscheinen äußerst überschaubare Story waren die größten Kritikpunkte am Serienauftakt. Würden die Entwickler beim Nachfolger endlich von Beginn an alles besser machen?

Destiny 2
Daumen hoch für Destiny 2. Größer, schöner, besser. Doch stimmt das wirklich?

Hier kommt Destiny 2 ins Spiel. Zumindest auf dem Papier liest sich alles danach, als hätte man sich bei Bungie die Kritik wirklich zu Herzen genommen. Die Story will spannender, das Gameplay fesselnder sein. Die Missionen sollen mit deutlich mehr Abwechslung aufwarten und auch für PvP- und Koop-Fans haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen. 

Uiuiui… Hat man da nicht zu viel versprochen? Mitnichten! Destiny 2 toppt seinen Vorgänger bereits in den ersten Spielminuten mit Leichtigkeit, so viel können wir schon einmal vorwegnehmen.


Erobert, was euch gehört!

Die Story von Destiny 2 setzt ein Jahr nach den Ereignissen der Erweiterung Rise of Iron an. Die Rotlegion unter der Führung des brutalen Kommandanten Ghaul hat die letzte sichere Stadt der Menschheit überrannt, den Hütern ihre Macht entzogen und alle Überlebenden in die Flucht geschlagen.

Fortan liegt es an euch, die einzelnen Planeten des Sonnensystems zu bereisen und die verstreuten Helden der Menschheit wiederzuvereinen, um gemeinsam eure Heimat zurückzuerobern und Ghaul ein Ende zu bereiten. Das klingt in der Zusammenfassung natürlich deutlich einfacher, als es letztlich ist. Sonderlich innovativ ist die Story dabei nicht ausgefallen, dennoch markiert sie eine der größten Verbesserungen gegenüber dem Erstling. 

Unzählige sympathische Charaktere, hervorragende Zwischensequenzen und spannende Dialoge attestieren dem Titel zumindest eine weitaus bessere Inszenierung, als dies noch vor drei Jahren der Fall war.

Destiny 2
„Hallo, wir sind die Kabale und nehmen euch mal eben alles, was euch gehört.“

Allerdings offenbart der Titel für Neulinge ein großes Problem. Trotz schickem Introfilmchen versteht ihr anfangs nur Bahnhof. Destiny 2 schmeißt mit Fachbegriffen nur so um sich und wer den Auftakt nicht gespielt hat, muss sich selbst zusammenreimen (oder nachlesen), was es mit all dem auf sich hat.

Habt ihr allerdings erst einmal die Destiny-Enzyklopädie verinnerlicht, steht dem nahezu grenzenlosen Spielspaß fast Nichts mehr im Wege. Kenner freuen sich zumindest über einen herausragend inszenierten Auftakt in dem ihr tatenlos mit ansehen müsst, wie eure einstige Heimat dem Erdboden gleich gemacht wird.

Bereits in der Anfangssequenz überzeugt der Shooter mit einer hervorragenden Dramaturgie und sorgt bei Serienfans für einige emotionale Momente, die Neueinsteiger hingegen fast völlig kalt lassen. 


Endlich erstarkt

Doch lassen wir das hinter uns, genug auf hohem Niveau gemeckert. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Wie spielt sich Destiny 2 denn nun? Ganz einfach: Hervorragend! Das Spielgefühl ist Entwickler Bungie außerordentlich gut gelungen. Vor allem die unterschiedlichen Waffen wie Sturmgewehr, Feuerpistole, Raketenwerfer oder Scharfschützengewehr kommen mit ordentlich Wumms daher. In Kombination mit einer Steuerung, die über jeden Zweifel erhaben ist, sorgt das für wahnsinnig intensive Feuergefechte.

Wenn ihr schon einmal ein Halo oder das erste Destiny gespielt habt, wisst ihr genau, wie der Hase läuft. Ballern was das Zeug hält und dabei die Deckung nicht vernachlässigen. Eine Haftgranate zur rechten Zeit und darauf achten, dass ihr euch in Deckung befindet, wenn euer Schild wieder auflädt. Zumindest in den ersten Stunden fühlt sich Destiny 2 enorm an wie ein neuer Halo-Teil. Was überhaupt nicht negativ gemeint ist. 

Destiny 2
Die intensiven Kämpfe stellen ein Highlight dar.

Viel mehr hebt Destiny 2 das Shooter-Gameplay auf eine ganz neue Ebene. Das verdankt der Actiontitel der unvergleichlichen Kombination aus starker Inszenierung, fetten Sounds, mitunter äußerst kluger KI und vertikalen Bewegungen. Die Elite- und Bossgegner setzen dem dann nochmal eins drauf, denn die Feuergefechte gegen die Obermotze sind an Intensität kaum zu überbieten. Gleichzeitig ballern Gegner aus allen Richtungen auf euch, ihr weicht Granaten aus und müsst dabei immer den Boss im Blick behalten – Wahnsinn!


Viel Abwechslung – Oder doch nicht?

Besonders das Design der abwechslungsreichen Gegner kann dabei überzeugen. Zumal auch jeder Typ eine andere Taktik von euch fordert. Vor allem, wenn sich euch gleich mehrere Gegnertypen gleichzeitig in den Weg stellen und ihr verschiedene Angriffsmuster miteinander kombinieren müsst, kann das ganz schön knifflig werden. 

Allerdings offenbart Destiny 2 hier ein Problem: Mal abgesehen von den Bossen kennt ihr all eure Feinde bereits aus dem Erstling. Neue Gegner? Fehlanzeige. Veteranen dürfte das ziemlich sauer aufstoßen, zumal ihr nach knappen fünf Spielstunden nahezu alle Gegnertypen gesehen habt. 

Destiny 2
Neue Gegnertypen sucht ihr leider vergebens.

Für spielerische Abwechslung sorgen die drei Klassen Titan, Jäger und Warlock, welche wiederum mit jeweils drei Subklassen aufwarten. Das klingt auf den ersten Blick nach wenig, präsentiert sich im Spiel aber enorm abwechslungsreich. Alle drei Subklassen ermöglichen komplett verschiedene Spielweisen. So kann der Jäger beispielsweise als Nahkämpfer auftreten, auf einen tödlichen Revolver zurück greifen oder seine Gegner mit Pfeilen aus der Distanz fesseln. Alle Klassen und Subklassen spielen sich sehr unterschiedlich und laden zum Ausprobieren ein. Allerdings wollen diese erst mühsam freigespielt werden.

Der Destiny 2 Klassenguide

Destiny 2 beginnt mit einem starken Fokus auf die Kampagnenmissionen. Allerdings dauert es nicht lange, bis sich die Planeten und die Missionsstruktur öffnen und ihr selbst entscheiden könnt, was ihr angehen wollt. 

Gerade die Hauptmissionen präsentieren sich weitaus stärker, als noch im Serienauftakt und warten mit deutlich mehr spielerischer Abwechslung auf. Mal müsst ihr einen befreundeten Scharfschützen finden, mal einen gegnerischen Außenposten infiltrieren und mal eine komplette Feindbasis dem Erdboden gleich machen. Stumpfes „Laufe zu Punkt A, aktiviere deinen Geist. Laufe dann zu Punkt B, aktiviere deinen Geist,“ wie noch im ersten Teil gehört also erfreulicherweise der Vergangenheit an. 

Destiny 2
Die verschiedenen Klassen spielen sich sehr variantenreich.

Trotzdem: Einen Innovationspreis gewinnt die Story nicht. In den Grundzügen bleibt es eben die Standardvariante der Gut-gegen-Böse-Geschichte, die ihr schon unzählige Male erlebt habt. Nur eben ziemlich gut präsentiert und hervorragend verpackt. 


Abseits der Story

Deutlich verbessert präsentiert sich der Titel allerdings fernab der Hauptmissionen. Die ersten Spielstunden werdet ihr auf der Erde verbringen und dort dauert es dann nicht lange, bis öffentliche Events und die brandneuen Abenteuer nach euch rufen.

Diese neuen Nebenmissionen kommen derart abwechslungsreich daher, dass sie selbst die Hauptgeschichte des Vorgängers locker in den Schatten stellen. Mal müsst ihr gegnerische Nachschublieferungen unterbinden, mal einen Hinterhalt für einen verheerenden Rückschlag vorbereiten. Saustark! Schade ist hingegen, dass sich die Aufgaben und öffentlichen Events zu schnell wiederholen. Pro Planet stehen euch gerade einmal eine Hand voll Missionstypen zur Verfügung, da wäre mehr drin gewesen.

Destiny 2
Die Story von Destiny 2 toppt den Vorgänger mit Leichtigkeit. Trotz 0185-Plot.

Allerdings ist das Maximallevel (Stufe 20) auch schon in knappen sechs Stunden erreicht. Bis dahin spielt sich der Titel wie ein relativ linearer Ego-Shooter. Was jetzt zunächst negativ klingt, entpuppt sich als gelungener Schachzug der Entwickler. Das notwendige Grinden für bessere Ausrüstung wurde dadurch auf ein Minimum zurückgeschraubt. Wer einfach nur dem Abenteuer folgen will, absolviert eben nur die Kampagne. Wer aber die Möglichkeiten von Destiny 2 voll ausschöpfen will, kann von Beginn an an unzähligen Nebenaktivitäten teilnehmen und erhält noch mehr Möglichkeiten für fette Beute, als noch im ersten Teil. 


Willkommen in der Suchtspirale. Schön dass sie da sind.

Blablabla Story und so sind ja schön und gut. Doch Destiny 2 lebt, wie schon der Erstling, von seinen kooperativen MMO-Momenten und dem Schmelztiegel, in dem zwei Teams gegeneinander im PvP antreten.

Wer beide Optionen bereits aus dem ersten Teil kennt, wird sich schnell zurechtfinden. Mal abgesehen von neuen Karten und Umgebungen hat sich nämlich nicht allzu viel geändert und das muss man dem Spiel in diesem Fall ankreiden. Gänzlich neue PvP- oder Koop-Möglichkeiten sucht man nämlich leider vergebens. Wenn euch schon vor drei Jahren die grundlegenden Spielelemente nicht gefallen haben, wird sich daran auch diesmal nichts ändern.

Doch wenn ihr zu den Spielern gehört, die bereits Tausende Stunden in das erste Destiny investiert haben, stört euch das vermutlich nur wenig. Besonders, da Bungie ordentlich an der Lootvergabe gefeilt hat. Ihr habt jetzt deutlich bessere Chancen auch an die Gegenstände zu kommen, die zu euch passen. So entwickelt sich binnen kürzester Zeit eine unnachahmliche Suchtspirale. „Nur noch schnell den einen Strike, vielleicht bekomme ich dann endlich eine bessere Waffe.“

Destiny 2
Der PvP-Modus ist erneut sehr gut gelungen.

Destiny 2 lebt von den kooperativen Strikes und Raids. Dabei handelt es sich um instanzierte Missionen, bei denen ihr mit anderen Spielern zusammenarbeiten müsst, um die geforderten Ziele zu erfüllen. Genau diese sind es, in denen der Titel sein volles Potential entfaltet. Allerdings stehen diese Inhalte zum Release des Spiels noch gar nicht zur Verfügung und werden es später veröffentlicht. Das ist zwar gleichermaßen ärgerlich, wie auch unverständlich, allerdings öffnet der erste Raid bereits eine Woche nach Erscheinen des Spiels seine Tore.

Erst dann wird es überhaupt möglich sein, eine Tendenz über die Langzeitmotivation von Destiny 2 geben zu können. Das Potential für unzählige spaßige Stunden bietet das Spiel allerdings auf jeden Fall.


Eine runde Sache

An der Technik gibt es bis auf ein paar Kleinigkeiten nur wenig zu meckern. Hin und wieder stoßen zwar ein paar hässliche Schatten oder altbackene Wassereffekte sauer auf, doch die meiste Zeit sieht Destiny 2 schlicht bombastisch aus.

Alle Umgebungen warten mit einer einzigartigen Atmosphäre auf. Ob es nun die europäische Todeszone auf der Erde, die zerstörten Ölplattformen auf dem Saturn-Mond Titan oder die rote Flora auf Nessus ist. In Kombination mit den wunderschönen Effekten präsentiert sich das Spiel rundum stimmig. Ganz selten kommt es zu kurzen Slowdowns, welche allerdings nicht weiter ins Gewicht fallen. Besonders, da die Ladezeiten erfreulich gering ausfallen.

Destiny 2
Technisch gibt es nix zu Beanstanden. Grafik und Sound sind erste Sahne.

Ein besonderes Lob verdient allerdings die Vertonung, die über jeden Zweifel erhaben ist. Ob es nun die größtenteils hervorragenden deutschen Sprecher, die durch die Bank starken Waffeneffekte oder der erstklassige und treibende Soundtrack sind – Atmosphärisch mach Destiny 2 zumindest so schnell kein Science-Fiction-Spiel etwas vor. 

Lediglich das Matchmaking im PvP-Modus hat aktuell noch mit leichten Kinderkrankheiten zu kämpfen. Nicht selten kommt es vor, dass ihr mehrere Minuten lang auf den Beginn einer Partie warten müsst. Aber das sollte Bungie relativ schnell in den Griff bekommen können.


Fazit: 

AwardIch habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Wer bereits mit dem ersten Teil nichts anfangen konnte, wird auch Destiny 2 nicht allzu viel abgewinnen können. Denn der Shooter ist mehr eine Evolution des Erstlings, als eine echte Revolution. Am grundlegenden Spielprinzip ändert sich nämlich quasi Nichts. Und ja, das kann und muss man dem Spiel auch vorhalten. Für Serieneinsteiger bleiben viele Zusammenhänge ungeklärt und wen die kurze Kampagne nicht fesseln kann, der wird auch keinen Spaß am Endgame-Content haben.

Doch jetzt die gute Nachricht: Destiny 2 steckt seinen Vorgänger in allen Belangen mit Leichtigkeit in die Tasche. Die Missionen sind deutlich abwechslungsreicher und die herausragend inszenierte Geschichte überzeugt von Beginn an. Auch die kurzen Nebenmissionen auf den abwechslungsreichen Planeten machen eine Menge Spaß. Besonders punktet das Spiel aber erneut im PvP-Modus, sowie in den Strikes und Raids. Dort entfaltet der Actiontitel erneut dasselbe Suchtpotential, welches bereits den Erstling ausgezeichnet hat.

In Kombination mit der hervorragenden und nahezu fehlerfreien Technik betreibt Bungie hier erstklassigen Fanservice und erweitert das Destiny-Universum um einen rundum gelungenen Nachfolger, der für unzählige Spielstunden motivieren dürfte. Zumindest, wenn man dem Spielprinzip etwas abgewinnen kann.


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