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PS4 Reviews

Cities Skylines Review

Knapp zwei Jahre ist es nun her, dass die finnischen Entwickler von Colossal Order mit der Städtebausimulation Cities Skylines dem angestaubten Genre auf dem PC neues Leben einhauchten. Nun können auch endlich Konsolenspieler wieder in wohligen Kindheitserinnerungen eines SimCity schwelgen, denn Koch Media bringt das Aufbau-Strategiespiel nach kurzer Xbox One-Exklusivität endlich auch auf die PlayStation 4. Ob die Umsetzung gelungen ist klärt unser Cities Skylines Review.

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Cities Skylines – Aus Dorf wird Weltmetropole

Alles beginnt mit einem Autobahn-Ableger. Nachdem ihr euch für ein Gebiet entschieden habt, liegt es auch schon an euch, aus dem idyllischen Grasland eine aufstrebende Metropole emporschießen zu lassen. Obwohl Cities Skylines konsequent auf Tutorial-Missionen verzichtet, gehen die ersten Schritte als Bürgermeister erstaunlich gut von der Hand. Den Tipps und Hilfeseiten der einzelnen Bauelemente sei Dank. Trotzdem ist aller Anfang schwer und Einsteiger dürften in den ersten Spielstunden dezent überfordert sein.

Cities Skylines
Damit aus eurem Dorf solch eine Metropole wird, benötigt es eine Menge Zeit.

Erfreulicherweise müsst ihr zu Beginn aber noch nicht allzu viel beachten. Ein funktionierendes Straßennetz hier, ein Kohlekraftwerk da. Dann nur noch alles mit Wasserleitungen und Elektrizität verbinden und die leeren Baugrundstücke für die Ansiedelung von Industrie, Gewerbe oder Bürgern freigeben. Und siehe da: Schon lassen sich die ersten Einwohner in eurem beschaulichen Dorf nieder. Wie es sich für ein waschechtes Aufbau-Simulationsspiel gehört, haben diese natürlich Bedürfnisse, die es zu befriedigen gilt.

Nach und nach schalten sich immer neue Gebäudearten und Bauelemente frei, wenn eure Ortschaft wächst. Ja, die Arbeit als Bürgermeister kann ganz schön stressig sein. Doch stressig bedeutet in diesem Fall auch motivierend, denn ehe ihr euch verseht, sind schon wieder drei Stunden verstrichen. Cities Skylines bietet auch auf Konsolen ein enormes Suchtpotential.

„Nur noch schnell das Industriegebiet fertigstellen. Ach… Die Polizeistation muss ich auch noch schnell bauen. Jetzt meckern die schon wieder wegen dem Müll… Hier habt ihr eine Mülldeponie.“


Immer etwas zu tun

Cities Skylines ist so gestaltet, dass es immer etwas zu tun gibt. Langeweile oder Ruhepausen gibt es im Spiel nicht. Doch wenn es einmal brennt habt ihr glücklicherweise jederzeit die Möglichkeit, das Spiel zu pausieren und in aller Ruhe wieder für Ordnung zu sorgen.

Anders als beispielsweise ein SimCity nimmt der Titel den Simulationsaspekt jedoch ziemlich ernst. Vor allem zu Beginn des Spiels müsst ihr vieles erst durch Ausprobieren herausfinden, da die rudimentären Hilfestellungen einige Aspekte zu ungenau erklären. Dabei müsst ihr unter anderem die Steuern für Industrie, Gewerbe und Bürger im Auge behalten oder die Stadt in Viertel aufteilen, welche ihr getrennt voneinander mit Richtlinien versehen könnt. Das Arbeiterviertel ist auf einen guten Verkehrsfluss angewiesen, im Villenviertel am Meer könnt ihr aber problemlos ein Nachtfahrverbot einrichten.

Cities Skylines
Stadt-Viertel können in Cities Skylines mit eigenen Richtlinien versehen werden.

Wenn sich neue Leute in eurem Ort ansiedeln, steigt dieser im Rang auf und erreicht einen neuen Meilenstein. Dieser wird nicht nur mit einer fetten Geldspritze honoriert, sondern schaltet auch neue Gebäude- oder Verkehrsarten frei. So lässt sich beispielsweise im späteren Spielverlauf das eigens verseuchte Wasser durch eine Wasseraufbereitungsanlage wieder reinigen oder das dreckige Kohlekraftwerk durch Solarenergie ersetzen. Alles zum Wohle der Bürger versteht sich.


Der Service bestimmt die Schwierigkeit

Einen fest vorgeschriebenen Schwierigkeitsgrad bietet Cities Skylines nicht. Die Schwierigkeit wird letztlich dadurch geregelt, wie zufrieden die Bürger mit eurer Arbeit und den angebotenen Serviceleistungen sind. Wer zu Beginn des Spiels gut plant und alle Anforderungen im Auge behält, wird nicht in Geldnot kommen. Allerdings müsst ihr die Zufriedenheit der Einwohner pausenlos überwachen. Fühlen sich diese nicht wohl oder werden sie krank, liegen Industrie und Gewerbe brach. Einwohner verlassen eure Stadt und dementsprechend sinken eure Einnahmen.

Cities Skylines
Nur wer auf die Bedürfnisse und Wünsche der Einwohner eingeht, hat Erfolg.

Besonders im weiteren Verlauf des Spiels gestaltet es sich als äußerst kompliziert, alle Bereiche eurer wachsenden Metropole gleichermaßen zufriedenzustellen. Immerhin wollen Bus- und Bahnverbindungen eingerichtet werden, während die Straßen ausgebaut werden müssen, um nervige Staus zu vermeiden. Familien wollen ihre Freizeit in Parks genießen und auch das Nachtleben dürft ihr nicht außer Acht lassen.

Das knifflige daran ist, dass jeder eurer Einwohner tatsächlich einzeln simuliert wird. Als Kind geht er zur Schule, später entscheidet er, ob er lieber studieren oder arbeiten gehen möchte. Er verfügt über seine eigene Wohnung und seinen festen Arbeitsplatz. Er fährt zum Einkauf und entscheidet selbst, ob er lieber den eigenen fahrbaren Untersatz wählt oder auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreift. Nicht zuletzt deswegen wirkt Cities Skylines enorm lebendig. Wenn eure Stadt erst einmal läuft ist es eine wahre Freude, den Bewohnern bei ihrem Wuseln zuzuschauen.

Cities Skylines
Das Verkehrsnetz ist das A und O eurer Stadt.

Gelungene Umsetzung und fehlender Komfort

Immerhin ist die Konsolenumsetzung, für die sich Tantalus Media verantwortlich zeigt, äußerst gut gelungen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit funktioniert die Steuerung mit dem Controller zumindest hervorragend. Trotzdem lässt das Spiel ein paar Komfortfunktionen vermissen. So ist es beispielsweise nicht einfach möglich, ein falsch platziertes Gebäude abzureißen. Denn dafür wird der umständliche Weg ins Abriss-Menü notwendig. Besonders wenn sich eure Stadt langsam der Millionenmarke nähert, kann das ganz schön knifflig werden.

Auch das Fahrverhalten der Bürger ist, wie schon in der PC-Version, oftmals nicht nachvollziehbar. Immer wieder kommt es zu Staus, weil wieder einmal ein Fahrzeug mitten auf der Straße stehen bleibt. Zudem gestaltet sich die Einteilung der Stadtviertel und der damit verbundenen Richtlinien in den verstrickten Untermenüs als durchaus komplex, doch mehr als ein nerviges Ärgernis stellt dies nicht dar.

Cities Skylines
Beschauliche Sonnenuntergänge gibt es auch. Doch dafür habt ihr nur wenig Zeit.

Aus technischer Sicht macht Cities Skylines auch auf Konsolen eine hervorragende Figur. Die stufenlos zoom- und schwenkbare Kamera lässt einen Blick auf die sehr detaillierten Einwohner und Gebäude zu, welche sogar mit gelungenen Animationen aufwarten. Alles in Allem wirkt die Spielwelt enorm lebendig und es ist eine wahre Freude, den Verkehrsfluss entlang der Wolkenkratzer zu beobachten oder die Flugzeuge beim Starten zu bestaunen. Da stoßen die langsam nachladenden Texturen, sowie einige Clippingfehler zwar ein wenig sauer auf, trüben den Spielspaß jedoch nur wenig.

Die Vertonung rangiert auf durchaus gutem Niveau, allerdings wäre etwas mehr Musik wünschenswert gewesen. Das Spielgeschehen wird zumeist lediglich von den Verkehrs- und Baugeräuschen dominiert, welche zudem aus weiter Entfernung etwas zu mager ausgefallen sind. Schade ist allerdings, dass in der Konsolenumsetzung die späteren PC-Add-Ons, die unter anderem Naturkatastrophen beinhalteten, durch Abwesenheit glänzen.


Fazit:

AwardIch erinnere mich gerne an meine Kindheit zurück, in der ich Aufbausimulationsspiele geliebt habe. Cities Skylines bringt mir dieses fast vergessene Gefühl zurück. Und das in Perfektion. Sind erst einmal die ersten Straßen geplant und siedeln sich die ersten Einwohner an, entfesselt das Spiel ein enormes Suchtpotential. Die Arbeit als Bürgermeister ist oftmals stressig, doch die Bedürfnisse der Einwohner zu befriedigen und nach und nach immer neue Gebäude oder Verkehrswege freizuschalten ist unglaublich motivierend.

Auch wenn der Anfang für Einsteiger etwas holprig ist und sich ein paar technische Patzer in das fertige Spiel eingeschlichen haben, führt auch auf den Konsolen kein Weg an Cities Skylines vorbei. Wer mit diesem Genre auch nur im Entferntesten etwas anfangen kann findet zumindest auf dem Markt kein besseres Spiel.


 

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