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A Way Out Review

„Dieser Weg wird steinig und schwer“ sang bereits der deutsche Soul-Musiker Xavier Naidoo in seinem bekannten Hit. Dass sich der Mannheimer darin auf einen Gefängnisausbruch bezog, ist eher unwahrscheinlich. Trotzdem passt der Text zum neuen Koop-Spiel A Way Out von EA, wie die Faust aufs Auge. Was das coole Indie-Spiel der Hazelight Studios auf dem Kasten hat, verrät euch unser Review.

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A Way Out – Prison Break lässt grüßen

A Way Out ist das erste Spiel der schwedischen Hazelight Studios, allerdings konnten einige der Entwickler bereits Erfahrungen beim gelungenen Brothers – A Tale of Two Sons sammeln. Chefentwickler Josef Fares bewies bereits mit Brothers ein Händchen für intensive Geschichten und ungewöhnliche Spielideen – Ein Wissen, welches nun A Way Out zu Gute kommt. 

A Way Out
A Way Out ist mehr als nur die Geschichte zweier Knastbrüder.

Im vollständig auf den kooperativen Multiplayer ausgerichteten Spiel schlüpft ihr wahlweise an einer Konsole oder über das Internet in die Haut von Leo und Vincent, die sich im Knast kennenlernen und einen waghalsigen Ausbruch planen. Allerdings könnten die frischgebackenen Freunde unterschiedlicher nicht sein: Während Leo schon länger hinter schwedischen Gardinen wohnt und nicht vor Gewalt zurück schreckt, ist Vincent eher ruhig, cool und beherrscht. Als Neuling im Knast wird er gegen seinen Willen in die Konflikte von Leo hineingezogen. Als das ungleiche Paar allerdings feststellt, dass sie in Freiheit mit demselben Problem zu kämpfen haben, tun sich die beiden zusammen und planen ihren Ausbruch. 

Zu Beginn des Spiels müsst ihr euch für einen der Charaktere entscheiden. Je nachdem, welche Wahl ihr trefft, hat das deutliche Auswirkungen auf die Spielerfahrung. Während Leo einen Konflikt oftmals unter Einsatz seiner Fäuste löst, stellt sich Vincent deutlich schlauer an und täuscht beispielsweise einen Hustenanfall vor oder schleicht an den Wachen vorbei

Zudem kommt es im Verlauf der knapp sechs- bis achtstündigen Geschichte immer wieder zu Knotenpunkten, an denen ihr euch für eine der beiden Vorgehensweisen entscheiden müsst. Auswirkungen auf die Geschichte hat das zwar nicht, wohl aber darauf, wie sich das Spielgeschehen im nächsten Abschnitt entwickelt. Schade ist allerdings dass beide Handlungsverläufe letztlich in dasselbe Ende münden. Egal wie ihr euch entscheidet: Im Endeffekt erlebt ihr doch dieselbe Szene

A Way Out
Das kooperative Zusammenspiel steht im Mittelpunkt.

Sonderlich innovativ ist die Geschichte von A Way Out  zwar nicht ausgefallen, trotzdem spielt sie sich ziemlich intensiv und überzeugt mit menschlichen und glaubwürdigen Hauptfiguren. Das gelingt dem Koop-Spiel vor allem, weil es sich trotz seiner kurzen Dauer die Zeit nimmt, die Vor- und Hintergrundgeschichte der Protagonisten zu beleuchten. Vor allem in der zweiten Spielhälfte nimmt die Story Fahrt auf. Wenn Raubein Leo seinen Sohn umarmt merkt ihr schnell, dass es sich bei den beiden Häftlingen um echte Menschen mit Gefühlen und einer Geschichte handelt und nicht um herzlose Schwerkriminelle.

Ohne zu viel verraten zu wollen: Gerade in den finalen Spielstunden sorgt A Way Out für eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die euch emotional berühren und nachdenken lässt! 


Seid ein Team!

A Way Out ist durch und durch als Koop-Spiel konzipiert. Genau diese Verbindung zwischen den beiden „Helden“, sowie zwischen euch und eurem Koop-Partner machen das Spiel zu einem ganz besonderen und noch nie dagewesenen Erlebnis!

Von daher ist es wenig verwunderlich, dass die Zusammenarbeit der beiden Figuren unabdingbar ist, um eure Freiheit zurückzuerlangen. Dadurch entfaltet das Spiel ab der ersten Spielminute ein unnachahmliches Zusammengehörigkeitsgefühl, welches der Titel auch bis zum Ende halten kann.

A Way Out
Nur wer zusammenarbeitet, kann erfolgreich sein.

Der erste Abschnitt dient dabei als Tutorial, welches euch mit den Spielmechaniken vertraut macht. Während einer der beiden den Fluchtweg freigräbt, muss der andere Schmiere stehen und schauen, dass die ungeliebten Wachen nicht Wind von eurer Flucht bekommen. Solche und ähnliche Koop-Szenen erwarten euch im Verlaufe des Abenteuers in regelmäßigen Abständen. Manchmal sind die beiden Charaktere auch in unterschiedlichen Abschnitten unterwegs, um ihre Aufgaben zu erledigen. 

Allerdings geizt der Einstieg nicht mit den üblichen Knast-Klischees, die ihr aus Film und Fernsehen bereits zu Genüge kennt: Hilfsmittel werden durch Bücher ins Kittchen geschleust und in der Dusche geht es ruppig her. Kennt man schon. 

Seiner grandiosen und packenden Handlung hat der Titel aus spielerischer Sicht allerdings leider nicht viel entgegenzusetzen. Die Spielmechaniken wirken durchdacht und stimmig, sonderlich viel Anspruch dürft ihr jedoch nicht erwarten. Vielmehr spielt sich A Way Out wie ein interaktiver Film. Also quasi wie ein typisches Telltale-Adventure, nur eben mit mehr Interaktionsmöglichkeiten. Das ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack, funktioniert allerdings sehr gut, wenn man sich darauf einlässt.


Wenig Gameplay, viel Story

Genauer gesagt bedeutet das, dass sich hier typische Quick-Time-Events und äußerst simple Rätsel die Klinke in die Hand geben. Schade dass der Titel kaum mehr zu bieten hat. Immerhin sorgt die Zusammenarbeit zwischen den beiden für einige spannende Situationen. Beispielsweise, wenn ihr euren Partner in einem Wäschewagen an den Wachen vorbei schiebt oder beide Partner gleichzeitig einen Knopf drücken müssen, um langsam einen Schacht hinaufzuklettern. 

A Way Out
Im Verlauf des Spiels wird die Welt offener. Das sorgt für Abwechslung.

Aufgelockert wird das Gameplay durch einige Action- und Schleichpassagen, die euch im späteren Spielverlauf erwarten. Mal liefert ihr euch eine packende Verfolgungsjagd mit der Polizei, während ein Spieler das Fahrzeug lenkt und der andere die Gesetzeshüter mit der Schrotflinte aufs Korn nimmt. Mal schleicht ihr in bester Assassin’s Creed-Manier durchs Gras und müsst eure Gegner lautlos ausschalten. Actionreiche Kämpfe inklusive Deckungsfeature eines Uncharted oder Gears of War gibt es ebenfalls. Diese Abschnitte sorgen für spielerische Abwechslung, stellen aber selbst Videospiel-Neulinge vor keine Herausforderungen. 

A Way Out ist ein durch und durch leichtes Spiel und wird euch zu keinem Zeitpunkt zur Weißglut bringen. Das muss man mögen. Allerdings rückt dadurch die packende Handlung weiter in den Vordergrund, die zweifelsohne den höchsten Stellenwert im Spiel einnimmt. Entsprechend gering fällt der Wiederspielwert aus. Gründe nach den sechs Spielstunden einen zweiten Durchgang zu starten, gibt es quasi nicht. Es sei denn, ihr wollt das Geschehen aus den Augen des anderen Protagonisten noch einmal erleben.

A Way Out
Die coolen Actionpassagen machen Spaß, fallen aber (wie das gesamte Spiel) zu leicht aus.

Technisch bescheiden und doch bemerkenswert

A Way Out ist ein kleines Indie-Spiel, welches knapp 30 Euro kostet. Entsprechend darf man natürlich keine opulente Grafik im Stile eines Blockbusters erwarten. Trotzdem fällt das Spiel aus technischer Sicht bescheiden aus.

Die Mimik der Charaktere ist äußerst detailarm, die Animationen wirken hölzern und veraltet. Zudem mangelt es den Umgebungen und Figuren an Details. Gerade das Knast-Level zu Beginn kann aus optischer Sicht so gar nicht überzeugen. Doch A Way Out macht einen Großteil der technischen Ungereimtheiten gekonnt wieder wett

A Way Out
Technisch ist A Way Out nur Mittelmaß. Die Inszenierung ist jedoch sehr stimmig.

Zum Einen, weil die Inszenierung mit den Splitscreen-Sequenzen ein wenig an die gefeierte TV-Serie 24 erinnert und auch genauso gut funktioniert. Zum Anderen, weil das Spiel seine mageren Details und Umgebungen durch gelungene Lichteffekte gekonnt kaschiert. 

Absolutes Highlight ist eine Sequenz, die stark an die legendäre Hammer-Szene aus dem Filmklassiker Oldboy erinnert. Knappe acht Minuten lang kloppt ihr euch in Seitenansicht durch einen langen Gang, ohne dass das Spiel dabei von einer Ladepause oder einem Kameraschnitt unterbrochen wird. Dabei wechselt das Gameplay immer wieder zwischen Beat ‚em Up-Sequenzen, Schleichpassagen und coolen Parkourseinlagen. Spielt sich hervorragend und sieht noch dazu genial aus.

A Way Out
Darf es eine Prise „Oldboy“ sein?

Die Akustik punktet zumindest mit stimmiger Musik, vor allem aber dank hervorragender englischer Sprecher, die die Figuren menschlich machen. Obendrauf gibt es natürlich deutsche Untertitel. 

Zuletzt noch ein großes Lob an die Entwickler: Dank „Friends Pass“ ist es möglich, online zusammen mit einem Freund das komplette Spiel durchzuspielen, obwohl nur einer der Partner das Spiel besitzt. Zwar ist dieser an eure Koop-Partie gebunden, trotzdem wünschen wir uns, dass diese Idee auch in künftigen Spielen Verwendung findet!


Fazit: 

AwardA Way Out ist ein hervorragendes und noch nie dagewesenes Koop-Erlebnis und wird euch ab der ersten Minute sehr gut unterhalten. Gerade die packende und emotionale Geschichte macht den Actiontitel zu einem einzigartigen Erlebnis, an das ich auch Stunden nach dem Ende gerne zurückdenke.

Das liegt vor allem an den coolen Dingen, die ich im Verlauf des Spiels mit meinem menschlichen Koop-Partner erlebt habe. Was als interaktiver Kinofilm beginnt, gipfelt in einer der mitreißendsten Handlungen der letzten Zeit. Und genau dafür gebührt A Way Out Respekt. 

Letztlich hat mich A Way Out hervorragend unterhalten, zudem leistet sich der Titel keinerlei unnötige Längen. Da fallen das simple Gameplay, sowie die bescheidene Grafik kaum ins Gewicht. 


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